Kirchengeschichte

Als Kirchenhistorikerin liegt mein Schwerpunkt auf der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. In meiner Diplomarbeit habe ich mich mit der Autorin Elisabeth Langgässer (1899-1945) befasst und ihren Schlüsselroman „Das unauslöschliche Siegel“ in Bezug auf seine religiösen Gegenwartsdeutungen analysiert.

Für meine Promotionsschrift habe ich eine kirchengeschichtliche Dimension des Ersten Weltkriegs untersucht, und zwar die Kriegsdeutung von Priestern, die als Zivilisten oder Soldaten den Krieg erlebten. Verglichen wurden dabei Priester aus der französisch-lothringischen Diözese Nancy mit Priestern aus der elsässischen Diözese Straßburg. Ich konnte dabei jeweils die Kriegsdeutung von Priestern eines Herkunftsgebiets, die an verschiedenen Orten den Krieg erlebten, vergleichen: Kombattanten, Feldseelsorger, Zivilisten, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, Sanitäter im Hinterland… Dabei zeigte sich, dass deren Kriegsdeutung immer zum gleichen Fazit kam: Die göttliche Vorsehung hatte den Priester an diesen Platz gestellt, der Krieg entsprach dem Willen Gottes. Große Unterschiede gab es dagegen zwischen den Gruppen der elsässischen und der französisch-lothringischen Priester: Erstere erlitten den Krieg als Prüfung, letztere engagierten sich in einem national-religiösen Projekt.  Keiner Seite stand ein Instrumentarium zur Verfügung, den Krieg grundsätzlich zu kritisieren. Der Krieg war der große blinde Fleck der Theologie und der kirchlichen Lehre, denn er erschien den Akteuren so selbstverständlich, dass eine grundsätzliche Kriegskritik undenkbar war. Die Theologie konnte die Erfahrung des modernen Krieges aber auch nicht mehr nahtlos integrieren. Es gibt keine „Theologie nach Verdun“, aber trotzdem hat die Erfahrung des entfesselten Krieges ohne Sieger das theozentrische Weltbild nachhaltig erschüttert. – Die Arbeit ist 2010 unter dem Titel „Priester im Krieg“ erschienen.

Daneben habe ich das Themenfeld Katholische Kirche und Nationalsozialismus in der Hochschullehre vertreten.